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Im Herbst 2017: Bruegel und Raffael - zwei Meister, zwei Weltbilder in der Albertina PDF Печат Е-поща
Автор: artnovini.com   
Сряда, 02 Август 2017г. 21:46ч.

(L) Raffael, Selbstporträt (1506) - Fragment; Öl auf Holz. Foto: © Galleria degli Uffizi Florenz, Gabinetto Fotografico delle Gallerie degli Uffizi. (R) Pieter Bruegel d. Ä., Maler und Käufer (um 1565); Feder in Braun. Foto: © Albertina, WienDas Museum werden rund 270 Zeichnungen und Gemälden zeigen. Viele Bruegels Werke waren noch nie ausgestellt und wurden nun erstmals konservatorisch bearbeitet.

WIEN. Im Herbst 2017 widmet die Albertina Pieter Bruegel dem Älteren (ca. 1525-1569), dem bedeutendsten Zeichner des 16. Jahrhunderts, eine umfassende Ausstellung von 8. September bis 3. Dezember 2017. Doch nicht nur Bruegel steht diesen Herbst in der Albertina im Fokus, auch einem der größten italienischen Meister des 16. Jahrhunderts - Raffael (Raffaello Sanzio da Urbino; 1483-1520), ist parallel eine umfangreiche Ausstellung von 29. September 2017 bis 7. Jänner 2018 gewidmet, informiert die Website albertina.at. Mit diesen zwei großen Meistern der Kunstgeschichte stehen sich zwei völlig verschiedene Weltbilder gegenüber: Die Albertina bietet 2017 die einzigartige Gelegenheit, den ästhetischen Idealismus Raffaels mit dem schonungslosen Realismus des Moralisten zu erleben.

Pieter Bruegel d. Ä., Der Frühling (1565); Feder in Braun. © Albertina, WienMit rund 100 Werken präsentiert die Schau das gesamte Spektrum von Bruegels zeichnerischem und druckgrafischem Schaffen und beleuchtet seine künstlerischen Ursprünge anhand der Gegenüberstellung mit hochkarätigen Werken bedeutender Vorläufer wie Hieronymus Bosch (1450-1516) oder Albreht Dürer (1471-1528).

Die Ausstellung Bruegel. Das Zeichnen der Welt zeigt rund 20 der schönsten Handzeichnungen des Niederländers aus dem hauseigenen, umfangreichen Bestand sowie aus internationalen Sammlungen und führt dabei sogar zwei seiner letzten Zeichnungen, den Frühling (1565) und den Sommer (1568), seit Langem erstmals wieder zusammen. Zahlreiche druckgrafische Schätze - in mehrjähriger Forschungsarbeit in der Albertina ausfindig gemacht und aufwendig restauriert - können außerdem zum ersten Mal gezeigt werden.

Tragik und Größe des Menschen

Am Vorabend des niederländischen Unabhängigkeitskampfes gegen die spanische Herrschaft, in einer Epoche der politischen, sozialen und religiösen Umbrüche, entwirft Pieter Bruegel eine komplexe Bildwelt. Humorvoll und volksnah, scharfsinnig und zutiefst kritisch reflektiert er die gesellschaftlichen Verhältnisse. Als Moralist thematisiert er die Tragik und Größe, Lächerlichkeit und Schwäche des Menschen.

Pieter Bruegel d. Ä., Der Sommer (1568); Feder in Braun. © Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Christoph IrrgangBruegels Werke zeichnet sein immenses Interesse an der Lebensrealität seiner Zeitgenossen aus: Bauern bei der Feldarbeit, pittoreske Landschaften und Alpengipfel, intime Flusstäler, aber auch auf die zeitgenössische Gesellschaft bezogene Moralsatiren und absurd-komische Grotesken sind vielfach in seiner Kunst zu entdecken. An die Stelle der Darstellung des Individuums tritt die Illustration bestimmter Typen. Teils auf Naturbeobachtung beruhend, teils parodistisch zugespitzt, thematisiert der Künstler aus verschiedenen Blickwinkeln den stetigen Konflikt zwischen Ideal und Realität. Das Derb-Volkstümliche und die ungeschönte Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse verbinden ihn mit den etwa zeitgleich tätigen Schriftstellern François Rabelais (ca. 1494-1483), Miguel de Cervantes (1547-1616) oder William Shakespeare (1564-1616), die in ihrer Literatur die Welt zur Bühne machen und universelle Einsichten formulieren, sein zutiefst moralischer Zugang gleicht Michel de Montaigne (1533-1592) und Francis Bacon (1561-1626).

In seiner berühmtesten Zeichnung Maler und Käufer (um 1565), einem der Hauptwerke der Albertina, macht Bruegel die Kunstproduktion selbst zum Thema: Er konfrontiert Betrachtende mit der ernsten, intellektuellen Arbeit des Malers, der ein vorgeblicher Kunstkenner nichts als ratloses Staunen und den Griff nach seinem Geldbeutel entgegenzuhalten hat. Kunst trifft in diesem Werk auf das Unverständnis des Käufers und der Gesellschaft im Allgemeinen.

Raffael, Hl. Georg (1505); Öl auf Holz. Musée du Louvre, Paris: © RMN-Grand Palais  / Jean-Gilles BerizziZahlreiche kostbare
Werke neu entdeckt

Pieter Bruegel der Ältere ist einer der bedeutendsten Zeichner des 16. Jahrhunderts. Schon zu Lebzeiten des Künstlers erfreuen sich seine Werke höchster Beliebtheit und sind begehrte Sammlerstücke - viele finden als Vorlagen für Kupferstiche weite Verbreitung. Sein Publikum sind nicht die Bauern, die so häufig seine Bilder bevölkern, sondern gehört vielmehr zur gebildeten Elite.

Neben Maler und Käufer bewahrt die Albertina fünf weitere eigenhändige Zeichnungen Bruegels und besitzt damit neben dem Berliner Kupferstichkabinett und dem Museum Boijmans van Beuningen einen der weltweit größten Bestände seiner seltenen Zeichnungen, von denen nur rund 60 Stück überliefert sind. Als eine der wenigen Sammlungen weltweit verfügt die Albertina über das gesamte druckgrafische Werk des Künstlers - viele Blätter sind in gleich mehreren Exemplaren vorhanden, darunter zahlreiche Rarissima und sogar einige singuläre Zustandsdrucke.

Die reichen Bestände niederländischer Kunst in der Albertina sind vielfach in den zahlreichen Klebebänden (historischen Folianten) des Albertina-Gründers Herzog Alberts (1738-1822) sowie aus der ehemaligen kaiserlichen Hofbibliothek zusammengefasst. Sie wurden in mehrjähriger Forschungsarbeit ausfindig gemacht und analysiert. Zahlreiche kostbare Werke wurden dabei neu entdeckt, wie beispielsweise eine großformatige Ansicht von Antwerpen eines Zeitgenossen von Bruegel, von der lediglich ein weiteres Exemplar bekannt ist. Viele Werke waren noch nie ausgestellt und wurden nun erstmals konservatorisch bearbeitet.

Angesichts der unzähligen Publikationen und Ausstellungen zu Bruegel mag es verwundern, dass bei einem so berühmten Meister noch Neufunde möglich sind - umso erfreulicher sind die

mehr als 100 zusätzlichen
neu entdeckten Abzüge von Bruegel,

welche der Forschung bislang unbekannt waren und für die Ausstellung aufwendig restauriert wurden.

Raffael, Kopf- und Handstudie (1519-1520); Schwarze Kreide. Ashmolean Museum, Oxford © Ashmolean Museum, University of OxfordRaffael bildet mit Leonardo da Vinci (1452-1519) und Michelangelo Buonarroti (1475-1564) das große Dreigestirn der Renaissance. Mit seinen weltberühmten Zeichnungen zählt der jung verstorbene Meister darüber hinaus zu den größten Zeichnern der Kunstgeschichte.

In diesem Herbst würdigt die Albertina Raffael mit 150 Gemälden und Zeichnungen eine groß angelegte Ausstellung. Ausgehend von den bedeutenden Beständen der Albertina und ergänzt um die schönsten und wichtigsten Zeichnungen bedeutender Museen wie den Uffizien, der Royal Collection der britischen Königin, dem British Museum, dem Louvre, den Vatikanischen Museen und dem Ashmolean Museum in Oxford stellt die monografische Schau das Denken und die Konzeption Raffaels ins Zentrum: Sie reicht von den ersten spontanen Ideenskizzen, virtuose Detailstudien, über Kompositionsstudien bis zu den ausgeführten Gemälden.

Ob als Maler und Architekt
in Florenz und Rom

oder im Auftrag von Päpsten und Fürsten - Raffael ist ein wahres Universalgenie der Hochrenaissance, stets auf der Suche nach dem Equilibrium zwischen Naturnachahmung und Idealität. Die Ausstellung zeigt mit rund 130 Zeichnungen und 18 Gemälden sämtliche bedeutende Projekte des Künstlers: Von der frühen umbrischen Periode (bis 1504) über die Jahre des Florenz-Aufenthaltes (1504/1505-1508) bis hin zur römischen Zeit (1508/1509–1520) sind beeindruckende Werke aus allen Schaffensphasen zu sehen.

Eine Ausstellung der Albertina in Kooperation mit dem Ashmolean Museum Oxford.

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